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Marienkloster

Marienkloster 

Das Marienkloster entstand 1856 auf Initiative von August Graf von Spee und Pastor Bartholomäus Esser, um die Versorgung von hilfsbedürftigen Menschen in Angermund zu verbessern. Dazu stellte die gräfliche Familie das Grundstück (auf der heutigen-Graf-Engelbert-Straße) zur Verfügung und verpflichtete sich, den Unterhalt der Ordenschwestern zu übernehmen. Im Februar 1857 zogen die ersten Dienstmägde Jesu Christi aus dem Mutterhaus in Dernbach/Westerwald ins Marienkloster. Sie waren in der ambulanten Krankenpflege und im Schuldienst tätig, betreuten Waisen und schwer erziehbare Kinder, außerdem unterhielten sie ein eigenes Altenheim. 1932 wurde das 75jährige Bestehen des Klosters gefeiert; damals lebten sieben Schwestern im Kloster. Hier fand 1937/38 auch der von den Nationalsozialisten aus Sieglar ausgewiesene Pfarrer Franz Boehm Aufnahme, bevor er im Juni 1938 zum Pfarrer an St. Gereon in Monheim berufen wurde. 1944 verhafteten die Nationalsozialisten Boehm in Monheim und internierten ihn anschließend im KZ Dachau, wo er 1945 kurz vor Kriegsende an den Folgen einer während der Haft erlittenen Krankheit starb. Pfarrer Boehm und sein Schicksal als Wiederstandskämpfer sind in Angermund nahezu unbekannt.

Das Marienkloster überstand den Zweiten Weltkrieg weitgehend unbeschadet. 1963 mussten die Schwestern das Kloster aufgeben, weil sie wegen fehlenden Nachwuchses den Kindergarten und das Altersheim, die inzwischen den Schwerpunkt ihrer Arbeit bildeten, nicht weiter führen konnten. 1966 wurde das Klostergebäude abgerissen. 1967 wurde die Gemeinnützige Stiftung für Seniorenbetreuung Angermund e.V. gegründet, die im Jahr darauf auf dem Grundstück des ehemaligen Marienklosters - wiederum mit großzügiger Unterstützung der Familie von Spee - ein Seniorenwohnheim eröffnete. 1979 wurde ein Hauskrankenpflegefonds gegründet, der seitdem in Angermund und Umgebung ambulante, fachlich qualifizierte Pflege leistet. Die Seniorenstiftung steht in der Tradition des ehemaligen Marienklosters: Seit 1857 erhalten Menschen an der Graf-Engelbert-Straße tätige Hilfe. 

Quellen:
(1) Richard Neveling: Zur Geschichte der Alten- und Krankenpflege in Angermund. In: Jahrbuch des AKK, Band 16, 1995. S. 9-15.
(2) Christian F. Seidler: Franz Boehm (1880-1945) Pfarrer und Widerstandskämpfer. Unveröffentlichter Aufsatz, 2026.
(3) Seniorenstiftung Angermund: Über uns aufgerufen 06.02.2026

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